Das Buchdruck-Projekt

76 Seiten, 45 Stück, Buchdruck, Fadenheftung, Handarbeit

Am Anfang stand eine besondere Anfrage eines nicht ganz gewöhnlichen Kunden. Ein US-Amerikanischer Buchautor, der bereits die zweite Auflage seines ins deutsche übersetzten Buchs bei uns drucken hat lassen, wollte seine Gedichtesammlung binden lassen. Es sollte ein besonderes Buch werden.

Flexibles Cover, Fadenheftung, grüne Buchdecke – soviel war klar. In der Angebotsphase kamen immer mehr Ideen dazu, was sich nicht immer ganz einfach gestaltete. Immerhin lief die Kommunikation zwischen Österreich und New Mexico meistens über E-Mail. Drei Mal musste man sich einen Telefontermin vereinbaren – aufgrund der Zeitverschiebung gerne auch mal um 22:00 Uhr.

Schlussendlich waren die Spezifikationen dann aber klar. Der „junge“ Dichter wollte dann doch ein bescheidenes Buch. Kein fester Einband sondern ein Buch mit weichem Umschlag, in einer ausgewählten Pantone Farbe, mit der Unterschrift des Künstlers darauf (ebenfalls in Pantone). Auf der Rückseite zwei Zeilen in schwarz. Ein braunes Vorsatz, mit einem gelben Streifen darauf. Auf der Titelseite die Zeichnung eines Vogels, die mittels UV-Flachbettdruck auf die am Tigel bedruckte Seite platziert wurde. Für den Kern insgesamt 19 4er (also 76 Seiten) die im Buchdruck bedruckt werden mussten. Das ganze 45 mal in 5 Mutationen (Umschlag, Titelseite, etc). Ein von Hand fadengehefteter Kern. Ein hochversicherter Versand in die USA.

Das hat man nicht alle Tage. Und sein nächstes Buch ist gedanklich schon im Entstehen.

An erster Stelle standen natürlich die Satzarbeiten in InDesign. Das in Word angelieferte Manuskript musste in das gewünschte Format gesetzt werden. Es folgten mehrere Korrekturdurchgänge und ein Formatwechsel.

Aus den Druckdaten wurden Linoprint Klischees für den Buchdruck hergestellt. Abgesehen von den Bleilettern hat sich am alten Verfahren nicht viel verändert. Gedruckt wurde mit einem Original Heidelberg Tiegel Bj. um 1970.

Da das Seitenformat im Verhältnis zum Textanteil sehr groß war (teilweise sehr großer weißraum zwischen Text und Seitenzahl) wurden die Textblöcke und die Seitenzahlen aus Kostengründen so eng wie möglich zusammengestellt.

Die Linoprint Klischees mussten anschließend auseinandergeschnitten und exakt auf den Holzplatten platziert werden. Beim Belichten von Druckformen kommt es im Allgemeinen nämlich auf die Gesamtfläche an.

Die fertigen “Druckformen”. Jetzt kann mit dem Bedrucken der Bögen begonnen werden.

Zuvor wurden mit der swissqprint Impala LED zwei Zeichnungen auf die Titelseite und der letzten Seite eingedruckt. In der höchsten Auflösung gedruckt (FineArt) wirken die Zeichnungen wie von Hand gemalt.

Buchdruck

Die einzelnen Seiten (Holzplatten mit angebrachtem Klischee) mussten dann dem Ausschuss entsprechend in den Rahmen des Heidelberg Tigels eingespannt werden.

Nachaufnahme einer bereits eingefärbten Druckform. Der Spiegelverkehrte Text lässt sich nun gut lesen.

Auf der Linken Seite des Tiegels werden die unbedruckten Bögen gestapelt. Mit einem ausgeklügelten System aus Saug- und Blasluft werden die Bogen am Anleger getrennt, sodass immer nur ein einzelner Bogen vom Greifer übernommen wird. Der Bogen wird zur Druckform geführt und fällt in die Anlage. Jetzt passiert der eigentliche “Druck”.

Beim Buchdrucken handelt es sich  um ein sogenanntes Hochdruckverfahren, bei dem die erhabenen Lettern eingefärbt werden. Vergleichbar mit einem Stempel im Büroalltag.

Vor jedem Druck wird die Form mit den zwei Farbwalzen gleichmäßig eingefärbt. Nachdem der weiße Bogen gegen die Druckform gedrückt wurde, übernimmt erneut der Greifer den Bogen und transportiert ihn in die Auslage, wo er mit einer winzigen Menge Druckpuder bestäubt wird.

Nun ist eine Seite des Druckbogens fertig. Die Maschine läuft solange weiter, bis die benötigte Menge an Gutbögen geruckt wurde.

Die so bedruckten Seiten müssen nachdem sie getrocknet sind noch auf der Rückseite bedruckt werden.

Anschließend müssen die Bögen trocknen bevor die Rückseite gedruckt werden kann.

Und hier ein Video das den gesamten Druckprozess darstellt.

Das beeindruckende an der Maschine ist, dass Sie völlig ohne Elektronik auskommt. Sie ist eine Meisterleistung der Ingenieurskunst und wir sind stolz nach wie vor diese Maschinen bei uns im Betrieb im Einsatz zu haben.

Fadenheftung

Jeweils zwei 4er wurden dann zu einer 8er Lage eingesteckt. Insgesamt 10 Lagen wurden dann auf drei Bändern (Gazestreifen) per Hand geheftet.

Buchbinden

Das auf das Rohormat des Buchblocks zugeschnitte Vorsatz wird schmal auf die erste und letzte Lage aufgeklebt.

Das braune Vorsatzpapier wurde ebenfalls mit der swissqprint bedruckt. Um auf dem braunen Papier ein kräftiges Gelb zu erhalten mussten vorher mehrere Schichten Weiß aufgebracht werden.

Der unbeschnittene Buchblock wird einzeln oder im Stoß zwischen Leimspalten beschwert abgeleimt.

Langsam nähert man sich dem Ende…

Jetzt fehlt noch die Buchdecke, bzw in diesem Fall die flexible Buchdecke. Dafür benötigt man zwei Kartonzuschnitte, einen Rückenschrenz, sowie den bedruckten Überzug welche alle auf das passende Format zugeschnitten sind.

Die Deckel und der Rückenschrenz werden auf den beleimten Überzug aufgeklebt.

Anschließend werden die Ecken zurechtgeschnitten und der Überstand wird eingeschlagen.

Die fertige Decke ist nicht wie üblich mit einer Graupappe sondern mit einem 350g Karton hergestellt. Genauso mit überstehenden Kanten wie bei einer klassischen Buchdecke, jedoch leichter und flexibler.

Fast fertig

Der Buchblock wird angeleimt und in die fertige Buchdecke eingehängt.

Wie nach fast jedem Arbeitsschritt werden die Deckel gepresst und getrocknet bevor der Kern mit dem Vorsatz eingehängt wird.

Das Buch ist fertig und muss nur noch eingepresst werden.

Fertig!

Es hat viel Spaß gemacht und war unheimlich aufwendig. Das Paket ist gut in Amerkia angekommen und wie gesagt freuen wir uns schon auf das nächste Projekt dieser Art.

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